Versicherte der privaten Krankenversicherung (PKV) werden bevorzugt behandelt, so die landläufige Ansicht. Das mag zutreffen, doch wenn es um die finanzielle Seite der Versicherung geht, verschiebt sich das Bild: Mindestens einmal jährlich müssen die privat Krankenversicherten tiefer in die Tasche greifen.
In den letzten 15 Jahren sind die Prämien für die Tarife der privaten Krankenversicherung um durchschnittlich 5,84 Prozent in jedem Jahr angestiegen. Nach einem Bericht von “Focus online” gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Gesellschaften. Die Beitragserhöhungen reichen von maßvollen 3,5 Prozent bis zu mehr als zehn Prozent. Doch wenn sich der verärgerte Versicherte einen neuen Versicherer suchen möchte, sollte er gut nachdenken, bevor er das Kind mit dem Bade ausschüttet.
Tarifwechsel ist günstiger als Versicherungswechsel
Ein radikaler Wechsel zu einem anderen Anbieter ist in vielen Fällen gar nicht notwendig. Vor allem für Versicherte, die schon lange Jahre Kunde eines privaten Krankenversicherers sind, kann ein solcher Wechsel sehr nachteilig sein. Die angesparten Altersrückstellungen können mit einem Wechsel des Anbieters verloren sein. Erst seit der Gesundheitsreform im Jahr 2009 können neue Kunden einen Teil ihrer Altersrückstellungen bei einem Wechsel mitnehmen. Eine positive Alternative ist ein Tarifwechsel innerhalb des angestammten PKV-Unternehmens. Im neuen Versicherungsvertragsgesetz ist diese Möglichkeit für PKV-Kunden rechtlich festgeschrieben.
Günstiger Tarif spart viel Geld
Ganz allgemein gesehen ist es für Versicherte der PKV nicht unbedingt günstig, an ihrem einmal abgeschlossenen Vertrag festzuhalten. Fachleute sagen, dass eine Überprüfung der Verträge alle fünf bis sieben Jahre durchaus angebracht ist. Bedingungen können sich verändert haben oder neue Tarife aufgelegt worden sein. Der Wechsel zu einem günstigeren Tarif kann mehrere hundert Euro an Einsparungen bedeuten. Das macht es verständlich, dass die Versicherer diese Möglichkeiten nicht an die große Glocke hängen. Hajo Köster vom Bund der Versicherten hat entsprechende Erfahrungen gemacht: “Es wird gewaltig gemauert, die Gesellschaften blocken bewusst jede Wechselabsicht ab”, sagte ein einem Gespräch mit Focus online.
Tarifwechsel ist bei Versicherern unbeliebt
Der PKV-Verband wehrt solche Vorwürfe natürlich ab. Dirk Lullies vom PKV-Verband sagt, dass die Branche die gesetzlichen Vorgaben erfülle und immer auf das Wechselrecht hinweise. In jedem Fall aber bleibt das Recht der Kunden auf einen günstigeren Tarif. Der Wechsel ist problemlos, wenn der neue Tarif weniger Leistungen bietet als der alte. Anders bei einem höheren Leistungsumfang. Dann hat der Versicherer das Recht, Risikozuschläge oder eine erneute Gesundheitsprüfung zu verlangen. Wer das verhindern will, kann auf die erweiterten Leistungen verzichten. Wichtig ist, alle Daten zu erfragen, von der Höhe der eigenen Altersrückstellungen bis zu den genauen Bedingungen eines Tarifwechsels.
Kompetenter Rat erspart Frust und Ärger
Es ist mit Sicherheit schwierig, sich durch das Dickicht der Tarife, der Bedingungen und Voraussetzungen zu schlagen. Deshalb ist es in den meisten Fällen sicherlich besser, sich der Hilfe eines Fachmannes zu versichern. Die Kosten, die für einen solchen Experten anfallen, sind eine lukrative Investition, wenn durch den Tarifwechsel Kosten eingespart werden können.