Auslandskrankenversicherung und der kurzfristige Reiserücktritt

Ich hatte ja schon hin und wieder auf die Notwendigkeit einer Auslandskrankenversicherung, aber auch auf die Tücken derselben hingewiesen. Oft muss die Frage geklärt werden, wann ein Reise storniert werden muss, wenn eine Erkrankung, welche zum Reiserücktritt führt bekannt wird. In meinem Bericht Auslandsreiseversicherung blieb der Versicherte auf seinen Kosten sitzen. Was in dem nun behandelten Fall ganz anders ausgegangen ist.

Ist die Erkrankung nicht so schwer, dass ein Reiserücktritt erforderlich erscheint, kann ein Gericht zu einem völlig anderen Ergebnis kommen. Unser Kläger hatte ein solches vor dem Amtsgericht München mit den inzwischen rechtskräftigen Urteil vom 11. September 2008 (Az.: 275 C 9001/08) erstritten. Dieser hatte sich einen Nasenbeinbruch zugezogen, eine solche Erkrankung führt normalerweise nicht zu einem Reiserücktritt, kommt es im weiteren Verlauf zu unerwarteten Komplikationen, kann sich der Reiserücktrittskosten-Versicherer wegen der verspäteten Meldung nicht auf eine teilweise Leistungsfreiheit berufen.

Folgendes war gesehen, im Jan. 2007 bucht der Kläger für seine Familie einen Tunesienurlaub der im Herbst 2007 stattfinden sollte. Wie es mit Kindern nun einmal ist (davon kann ich inzwischen ein Lied singen) erlitt der elfjährige Filius einen Nasenbeinbruch beim Sport. Nach der ambulanten Versorgung der Verletzung, sahen die Ärzte eine weitere operative Behandlung nicht für erforderlich. Es kam was kommen musste, kurz vor Reisebeginn wurde im Rahmen einer Nachuntersuchung festgestellt, dass eine operative Behandlung doch notwendig war. Damit fiel der Urlaub ins Wasser sozusagen. Der Urlaub wurde storniert und der Kläger wollte die 2900 € nun vom dem Reiserücktrittversicherer haben.
Dieser wollte den entstandenen Schaden nur zum Teil bezahlen, weil der Vater gegen seine Schadenminderungs-Pflicht verstoßen hätte. Wenn die Reise nach dem Unfall storniert worden wäre, hätte die Stornokosten nur 1.700 € betragen

Mehr wollte der Versicherer, abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung, auch nicht erstatten.
Vor dem Amtsgericht München bekam der Kläger recht und der Versicherer musste die Differenz erstatten. Das Gericht war der Ansicht, dass der Kläger die Reise nur dann, wenn eine versicherte Person unerwartet und schwer krank geworden wäre, unverzüglich hätte stornieren müssen. Dies konnten auch die Richter bei einem Nasenbeinbruch zumindest zu Beginn nicht feststellen. Ein solcher Bruch erfordert normalerweise keine komplizierte Nachbehandlung, deshalb gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Hinweis, dass die Reise nicht hätte angetreten werden können. Erst mit der unerwartet notwendigen Operation war der Grund für den Reiserücktritt gegeben.

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 Auslandskrankenversicherung und der kurzfristige Reiserücktritt

Manfred Walter

Als unabhängiger Versicherungsmakler bin ich seit 2002 für meine Mandanten tätig. Mit Hilfe von genauen Analysen kann ich für einen speziellen Versicherungsbedarf eine passgenaue Empfehlung, auch mit besonderen Highlights, erstellen. Mein Motto dabei: „Besser, sicher fühlen“.